Förderpreis 2003



Einfluß des Diabetes mellitus auf die hospitale und 1-Jahres-Mortalität des ST- und Non-ST-Hebungs-Myokard-Infarktes in klinischer Praxis in den Jahren 2000-2002

Ergebnisse des ACOS-Registers von Anselm K. Gitt

für die ACOS Studien-Gruppe.


Hintergrund:

Hintergrund Diabetes mellitus ist ein anerkannter Risikofaktor für die Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen. Das Risiko der Entwicklung einer koronaren Herzerkrankung (KHK) ist für Diabetiker auf das 2- bis 4-fache erhöht. Langzeitstudien konnten zeigen, dass Diabetiker ohne Myokardinfarkt in der Vorgeschichte das gleiche Risiko hatten, einen Myokardinfarkt zu erleiden, wie Nicht-Diabetiker mit bereits durchgemachtem Myokardinfarkt. Der Diabetes mellitus wird daher heute als KHK-Risiko-Äquivalent gesehen. Randomiserte Studien sowie Registerdaten belegen eine hohe hospitale Mortalität bei Patienten mit ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI) mit zudem deutlich schlechterer Prognose für Diabetiker als für Nicht-Diabetiker. Im Jahr 2000 wurde unter besonderer Berücksichtigung der kardialen Troponine eine Re-Definition des Non-ST-Hebungs-Myokardinfarktes (NSTEMI) von den internationalen Fachgesellschaften für Kardiologie publiziert. Über Diabetiker existieren bislang keine Daten zum hospitalen und zum Langzeit-Verlauf des NSTEMI nach neuer Definition, insbesondere im Vergleich zum STEMI in der klinischen Praxis.

Methodik:

In dem Zeitraum von Juli 2000 bis November 2002 wurden an 155 Kliniken bundesweit konsekutiv 16567 Patienten mit akutem Coronar-Syndrom in das ACOS Register (ACOS = Akute Coronar Syndrome) eingeschlossen und Patienten-Charakteristika, die akute Therapie sowie der hospitale und der Langzeit-Verlauf dokumentiert. Wir untersuchten Unterschiede zwischen Diabetikern und Nicht-Diabetikern mit ST- und Non-ST-Hebungs-Myokardinfarkten hinsichtlich Patientencharakteristika und Therapie sowie den Einfluá des Diabetes auf den hospitalen und den Langzeitverlauf in klinischer Praxis in Deutschland.

Ergebnisse:

Die Prävalenz des Diabetes bei konsekutiven Patienten mit akutem Koronarsyndrom im klinischen Alltag in Deutschland betrug 25% für STEMI und 31% für NSTEMI.


Diabetiker mit STEMI erhielten seltener eine akute Rperfusionstherapie mittels Thrombolyse oder primärer perkutaner Coronar-Intervention (PCI) als Nicht-Diabetiker (63.6% vs 75.7%, p<0.001). Der bekannte Diabetes war eine unabhängige Determinante gegen eine akute Reperfusionstherapie des STEMI (OR 0.73, 95% CI 0.65-0.73). Diabetiker mit NSTEMI wurden seltener einer akuten PCI zugeführt als Nicht-Diabetiker (25.7% vs 34.7%, p<0.001). Wie auch beim STEMI war der bekannte Diabetes eine unabhängige Determinante gegen eine akute PCI bei Patienten mit NSTEMI (OR 0.78, 95% CI 0.69-0.88).


Für beide Diagnosen des akuten Koronarsyndroms, STEMI und NSTEMI, wurden Diabetiker weniger häufig mit adjuvanter medikamentöser Therapie (Aspirin, Clopidogrel, Betablockern, ACE-Hemmern und Statinen) behandelt als Nicht-Diabetiker. Die hospitale Mortalität war signifikant höher für Diabetiker mit sowohl STEMI (13.4% vs 8.0%, p<0.001) als auch NSTEMI (8.3% vs 4.6%, p<0.001) verglichen zu Nicht-Diabetikern. Diabetiker mit NSTEMI hatten die gleiche hospitale Mortalität wie Nicht-Diabetiker mit STEMI (8.3% vs 8.0%, ns).


Die 1-Jahres-Mortalität der lebend entlassenen Patienten war sowohl nach STEMI als auch nach NSTEMI für Diabetiker signifikant erhöht (11.5% vs 5.6%, p<0.001 für STEMI und 15.1% vs 8.5%, p<0.001 für NSTEMI).


Zusammenfassung:

Einen bekannten Diabetes mellitus hatten ein Viertel der konsekutiven Patienten mit STEMI und nahezu ein Drittel aller Patienten mit NSTEMI. Der Diabetes mellitus stellt auch in den Jahren 2000 bis 2002 eine unabhängige Determinante gegen den Einsatz einer akuten Reperfusionstherapie und einen unabhängiger Prädiktor für eine erhöhte hospitale und 1-Jahres-Mortalität nach STEMI dar. Die Daten des ACOS-Registers belegen einen gleichen Einfluß des Diabetes auf die Therapie und die Prognose des NSTEMI.

Diabetiker mit NSTEMI hatten eine nahezu verdoppelte hospitale und 1-Jahres-Mortalität verglichen mit Nicht-Diabetikern mit NSTEMI. Die hospitale Mortalität der Diabetiker mit NSTEMI entsprach der hospitalen Mortalität der Nicht-Diabetiker mit STEMI. Diabetiker mit NSTEMI sollten daher als Hochrisiko-Kollektiv sowohl in der Akutphase als auch für die Langzeitprognose identifiziert werden.


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