Preisträger 2006



Dr. Peter Zimmer

Erstmals wurde 2006 der Förderpreis der Stiftung für ein Versorgungs-Forschungsprojekt vergeben:

DiSko bzw. "Wie Diabetiker zum Sport kommen" – ein Schulungsmodell für mehr körperliche Aktivität im Diabetes-Alltag.

 

Der Vorsitzende der Initiativgruppe Diabetes und Sport e.V., Dr. Peter Zimmer, nahm den mit 10.000 Euro dotierten Preis - gemeinsam mit der Studienleiterin Dr. Monika Siegrist entgegen.

 

 

M. Siegrist *, M. Halle*, P. Borchert#, R. Klare# und P. Zimmer# (Institut für präventive und rehabilitative Sportmedizin der TU München*, AG Diabetes und Sport der DDG#)

 

Schulungsmodul "DiSko" (Wie Diabetiker zum Sport kommen) beweist Effektivität

 

Das von der Projektgruppe Dr. P. Borchert, Dr. M. Dolatschek, Dr. R. Klare, A. Ledermüller, R. Richmond, B. Tornuß und W. Weiß erarbeitete Schulungsmodul beinhaltet eine Erlebnis – orientierte Auseinandersetzung der Schulungsteilnehmer mittels eines zügigen Spazierganges mit Erfassung von Blutzucker und Puls vorher und nachher, eine Besprechung der gemessenen Werte, Reflexion des Erlebten und Diskussion der Bewegungserfahrung. Anschließend werden an Hand einfacher Folien die Vorteile der Bewegung für den Typ 2 diabetischen Patienten erläutert, sinnvolle Bewegungsarten vorgestellt und auf Bewegungsangebote in der Nähe der Einrichtung hingewiesen.

 

Um die Implementierung des DiSko – Projektes sicher zu stellen, wurden seit 2002 bundesweit Referentenfortbildungen durchgeführt, aus denen 44 Schulungsteams hervor-gegangen sind. Die ausgebildeten Trainer unterstützen seit 2003 Praxen in der Vermittlung und Anwendung des DiSko – Schulungsmoduls.

 

Die DiSko-Evaluationsstudie wurde entwickelt, um die Umsetzbarkeit und Akzeptanz bei den Teilnehmern sowie die Nachhaltigkeit des Projekts im Hinblick auf Veränderungen des Bewegungsverhaltens, metabolischer Risikofaktoren und der Lebensqualität nachzuweisen. Insgesamt wurden 92 Patienten aus 11 Praxen in die Studie eingeschlossen, 55 in die Interventionsgruppe (ZI – Schulung und zusätzlich DiSko – Schulung) und 37 in die Kontrollgruppe (nur ZI – Schulung). Es sollten die Auswirkungen auf das Risikoprofil, besonders des Body Mass Index, die Intensivierung der körperlichen Aktivität und die Verbesserung des Gesundheitszustandes und der Lebensqualität geprüft werden. Dazu wurden die Patienten über dem Zeitraum von 12 Monaten beobachtet und zu Beginn, nach 3 , 6 und 12 Monaten Anamnese und klinische Visite, Anthropometrie, Laborwerte, 6 min Gehtest, Aktivitäts- und SF 36 Fragebogen erhoben.

 

Es kam im Vergleich zu der Kontrollgruppe in der DiSko – Gruppe zu einer deutlichen Zunahme der körperlichen Aktivität (4 vs. 1,9 Std/Woche) , zu einem signifikanten Anstieg des Kalorienverbrauches (1381 vs 899 Kcal/Woche), zu einer Verbesserung der Fitness, gemessen am 6 Minuten Gehtest (zusätzlich 49,7 vs 6 m) , zu einer signifikanten Gewichtsreduktion (-1,5 vs. 0 kg) und zu einer signifikanten Verminderung der „Waist-Hip-Ratio“ bei den Männern.

 

Die Überprüfung der Laborparameter HDL-Cholesterin, LDL-Cholesterin, Triglyzeride, HbA1c, Nüchtern-Blutzucker und Mikroalbuminurie sowie der Lebensqualität, gemessen am SF 36 Fragebogen, ergab zu keinem Messzeitpunkt signifikante Veränderungen innerhalb oder zwischen den Gruppen.

 

Ziel der DiSKo-Evaluationsstudie war es, die Umsetzbarkeit der DiSko-Schulung sowie deren Nachhaltigkeit im Hinblick auf Veränderungen des Bewegungsverhaltens, metabolischer Risikofaktoren und der Lebensqualität bei den Teilnehmern zu untersuchen. Dieses Ziel konnte eindeutig erreicht werden. Die körperliche Aktivität der Teilnehmer mit DiSko-Schulung lag auch nach einem Jahr deutlich über dem Ausgangsniveau. Dies ist besonders bemerkenswert, da es sich bei der DiSko-Schulung nur um eine einmalige Intervention handelt. Besonders erhöht haben sich bei den Teilnehmern die Alltags- und Freizeitaktivitäten, auf die die DiSko-Schulung mit dem Spaziergang in der Gruppe und den Schulungsinhalten hinzielt.

 

Die Erhöhung des Bewegungsumfangs führte zu einem zusätzlichen durchschnittlichen Kalorien­verbrauch von über 3000 kcal/Woche bei einem durchschnittlichen Aktivitätsumfang von fast 10 Stunden/Woche. Damit erreichen die Teilnehmer deutlich das Aktivitätsniveau, dass zur Erzielung eines positiven gesundheitlichen Nutzens durch körperliche Aktivität empfohlen wird. Die Zunahme der körperlichen Aktivität spiegelt sich auch in einer gesteigerten körperlichen Leistungsfähigkeit wieder. Die Teilnehmer in der DiSko-Gruppe konnten am Studienende eine deutlich längere Gehstrecke innerhalb von sechs Minuten zurücklegen. Die Ergebnisse beim SF-36-Fragebogen zeigten keine wesentlichen Veränderungen im Bereich der Lebensqualität und des Gesundheitszustandes. Allerdings lagen die Teilnehmer bereits zu Beginn der Studie über den Werten, die Bullinger in Deutschland für Diabetiker erhoben hat und zeigten einen besseren Gesundheitszustand und keine größeren Einschränkungen der Lebensqualität. Eine positive Veränderung konnte aber bezüglich der subjektiven Einschätzung des eigenen körperlichen Zustandes festgestellt werden, die sich bei den Teilnehmern in der DiSko-Gruppe im Studienverlauf signifikant verbesserte.

 

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das einmalige erlebnispädagogisch orientierte „Schulungsmodul Bewegung“ zur einer deutlichen Erhöhung der körperlichen Aktivität führte, die auch nach einem Zeitraum von 12 Monaten noch anhielt. Aufgrund des derzeit aktuellen Wissensstandes über die Zusammenhänge zwischen Bewegung und Gesundheit bei Typ-2-Diabetikern kann deshalb von einem positiven Effekt des Schulungsmoduls ausgegangen werden.


Dr. Peter Zimmer - Vorsitzender der Initiativgruppe Diabetes und Sport e.V.

Der 1948 in München geborene Internist, Sportmediziner und Diabetologe Dr. Peter Zimmer ist seit 1985 beratender Arzt beim Bayerischen Behindertensportverband. Seit 2000 ist er Vorsitzender der Initiativgruppe Diabetes und Sport e.V., seit 2002 Landessportarzt des BVS Bayern und 2004 nahm Dr. Zimmer als betreuender Arzt an den Paralympics in Athen teil.

 

Weiter Informationen zum Schulungsmodell "DiSko" finden Sie auf der Website der Initiativgruppe Diabetes und Sport e.V..


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