Messe gesund.leben ein Erfolg



Ein Drittel der 25.000 Besucher waren Diabetiker und Herzkranke. Sie fragten vor allem nach der richtigen Behandlung. Die Patienten werden mündiger. Stiftungen sollten die Betroffenen angemessen begleiten.


Ein Herz für Stiftungen - Clown Pom und sein Team am Stand der DHD
Ein Herz für Stiftungen - Clown Pom und sein Team am Stand der DHD

Das Konzept des Veranstalters der Messe gesund.leben ist aufgegangen: Gestiegene Teilnehmerzahlen sprechen für wachsenden Aufklärungsbedarf. 25.000 Besucher nutzten im November 2012 in Essen die Gelegenheit, sich an den drei Tagen über Gesundheit zu informieren, schwerpunktmäßig zu den Themen Diabetes, Herz- Kreislauferkrankungen und BGM (Betriebliches Gesundheitsmanagement). 

 

Auch für die Stiftung DHD (Der herzkranke Diabetiker) und die Stiftung DZK (Das zuckerkranke Kind) hat sich die Kooperation als Partner der Messe gelohnt: Der Patientenanteil machte ein Drittel der Messebesucher aus. Viele Betroffene, Interessierte und Laien konnten erreicht werden. Sie wurden über Vorbeugung, Risiken und Behandlung informiert. „Der Andrang war groß. Jung und Alt suchten die Beratung am Stiftungsstand oder bei den Arzt-Patienten-Sprechstunden“, so das Fazit der Verantwortlichen Prof. Dr. med. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe (DHD) und Dr. med. Ralph Ziegler (DZK). Mit dem Ergebnis seien die Stiftungen sehr zufrieden. Selbst Schulklassen kamen, im Auftrag das Thema Diabetes zu recherchieren, oder Angehörige von Erkrankten, die wissen wollten, was das Beste für ihren Verwandten ist. Am häufigsten tauchte bei Patienten die Frage auf, welche Behandlung die richtige ist und wo man sie findet.

 

„Wir stellen fest, dass die Betroffenen zunehmend besser informiert sind“, sagt Professor Diethelm Tschöpe mit Blick auf die Messe und die Stiftungsarbeit des vergangenen Jahres. Bei herzkranken Diabetikern bestehe oft aus eigenem Antrieb (spätestens nach Gefäßereignis) ein Interesse daran, zur Verbesserung ihres Gesundheitszustandes beizutragen, ergänzt der DHD-Vorsitzende. Die Patienten seien mündiger geworden. Sie erwarten nicht mehr nur die Aufklärung über Krankheitsursachen oder mögliche Therapien, sondern auch Lösungen bei vorhandenem Versorgungsproblem. Der Dialog mit gut informierten Patienten offenbart die Defizite.

 

Ein Beispiel hier ist die 47-jährige Annegret F., eine Patientin mit Hochrisikoprofil (BMI über 40 kg/m2, Hypertonie und Typ-2-Diabetes seit 20 Jahren bekannt). Die Rheinländerin klagte bei der Stiftung über Atemnot und Druckschmerz in der Brust, besonders während und infolge körperlicher Belastung. Sie habe Angst vor einem Herzinfarkt, so die Patientin. Sie überlege schon länger, einen Kardiologen aufzusuchen. Ihre Ärztin rate ab, die Notwendigkeit für eine Überweisung zum Facharzt sei nicht gegeben. 

 

Bei Jochen S. wurde der Typ-1-Diabetes 1972 diagnostiziert. Später kam Übergewicht hinzu, nach 20 Jahren Erkrankungsdauer auch die Dialysepflicht. Vor zwei Jahren erlitt der 54-Jährige dann einen Infarkt. Katheterlabor, Stents, Diagnose 3-Gefäß-KHK, schildert der Patient seine Behandlung. Zum Zeitpunkt der Entlassung habe er sich nicht symptomfrei gefühlt, der nächste Infarkt kam ein halbes Jahr nach dem ersten. Jetzt erhielt Jochen S. drei Bypässe. Seine behandelnden Ärzte erklärten: man hätte ihn gleich operieren müssen. Von Anfang an in optimalen Händen, das könne viel Leid ersparen, ist der Ostwestfale überzeugt. Er will nun die Botschaft an Patienten formulieren: Sich frühzeitig an den richtigen Stellen informieren!  

 

„Stiftungen sind ideale Ansprechpartner dafür. Ihr Vorteil ist, es gibt keine wirtschaftlichen und institutionellen Interessen, sie handeln gemeinnützig“, betont Professor Diethelm Tschöpe von der Stiftung DHD. Der zentrale Auftrag lautet, die Betroffenen aktuell und umfassend, nach neuestem Erkenntnisstand zu informieren. Im Mittelpunkt stehen die Patienten und ihre gesundheitlichen Belange. Im Sinne der Stiftung sei es deshalb, dass Betroffene wissen und einfordern, was wichtig für sie ist, sagt Tschöpe. Patienten müssen genauer hinschauen, die Behandlung auch kritisch hinterfragen, falls berechtigt Anlass dazu besteht. Für die Stiftung DHD werde es künftig noch stärker darum gehen, den mündiger werdenden Patienten auf seinem Weg zu unterstützen. Weil es ein Phänomen der Zeit ist, dass die Souveränität der Betroffenen zunimmt. Und weil Stiftungen für Patienten zu den besten Begleitern gehören, wenn sie ihren Auftrag richtig ausfüllen und ihre Unabhängigkeit bewahren.



Text / Fotos: Katrin Hertrampf ©

 

Bericht (PDF, 94 kB)

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