Diabetes und Komorbidität im Alter:
Herausforderung für die Pflege



Herzinfarkt, Schlaganfall, Lungenembolie und nicht abheilende Wunden sind zentrale Probleme. Das wurde diskutiert bei der IIGM-Fachtagung in Kooperation mit der Stiftung DHD.


Veranstaltungsort der IIGM-Fachtagung „Diabetes-Pflege-Management“ am 27. April 2013 war das Evangelische Geriatrie-Zentrum Berlin (EGZB), Foto: EGZB/ IIGM
Veranstaltungsort der IIGM-Fachtagung „Diabetes-Pflege-Management“ am 27. April 2013 war das Evangelische Geriatrie-Zentrum Berlin (EGZB), Foto: EGZB/ IIGM

Wer in der pflegerischen Versorgung von älteren Menschen tätig ist, wird mit Patienten konfrontiert, die neben Diabetes und Hyper­tonie (Blut­hoch­druck) gra­vierende Probleme mit­brin­gen. Überlebter Infarkt oder Schlag­anfall in der Krank­­heits­geschichte des Betroffenen und Multi­mor­bi­di­tät gehören dazu. Sie ber­gen ein hohes Ereig­nis­­risiko. Stoff­wechsel- und Blut­druck­situation sind be­tei­ligt daran. Die Betreu­ung dieser Patienten ist für Ärzte und Pflege eine Heraus­forderung.

 

Das IIGM (Institut für Innovatives Gesundheits­management) in Berlin hat deshalb seine diesjährige Fachtagung „Diabetes-Pflege-Management“ den kardio­vaskulären Folgen beim geriatrischen Diabetiker gewidmet. In Kooperation mit der Stiftung „Der herz­kranke Diabetiker“ (DHD) wurde die Fortbildung Ende April durchgeführt. Die Pflegekräfte tagten im Evangelischen Geriatrie-Zentrum Berlin (EGZB). Hausärzte, Diabetologen, Geriater und Kardiologen, auch die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe (SDSH) und Apotheker waren eingeladen. Sie klärten über die Behandlung und die Vermeidung von Risiken auf.



Prof. Dr. med. Wolfgang Motz setzt sich für interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Berufsgruppen beim herzkranken Diabetiker ein. Der Kardiologe ist Mitglied im Kuratorium der Stiftung DHD und leitet das Herz- und Diabeteszentrum Mecklenburg-Vorpommern, Karlsburg. (Foto: Stiftung DHD)
Prof. Dr. med. Wolfgang Motz setzt sich für Zusammen­ar­beit aller Berufs­gruppen ein. Der Kardio­loge ist DHD-Kura­toriums­mitglied, er leitet das Klinikum in Karlsburg

„Weil Komplikationen und Krankheits­bilder bekannt sein sollten. Für die Pflege ist vor allem wichtig zu wissen, wie sich Ereignisse ankündigen und welche Schritte einzu­leiten sind“, betonte Prof. Dr. Wolfgang Motz vom Vorstand der Stiftung DHD in Berlin. Für Herzrasen aus der Herz­kammer ist z.B. immer eine Koronar­erkrankung ursächlich, die rechtzeitig diagnostiziert und behandelt werden müsse, so der Kardiologe aus Karlsburg. Bei schnellen Rhythmus­störungen (Tachykardie) folgt oft der plötzliche Herztod. Das Zeitfenster bis zur Rettung ist entscheidend. Setzt die Defibrillation erst zehn Minuten nach Kreislauf­kollaps ein, sinkt die Überlebens­chance ohne neuro­logisches Defizit unter 5 Prozent. „Diabetiker sind mehr als andere Patienten gefährdet. Das Stoffwechsel­problem parallel zum Blutdruck haben wir stets im Blick. Der Kardiologe behandelt das Herz, der Diabetologe behandelt Diabetes“, sagte Motz, der auch das Herz- und Diabetes­zentrum in Mecklenburg-Vorpommern leitet.


Dipl.-Med. Ingrid Dänschel sieht Probleme des geriatrischen Patienten täglich in ihrer Praxis in Lunzenau. Die Allgemeinmedizinerin gehört zum Vorstand des Deutschen Hausärzteverbandes und ist Vorsitzende des Sächsischen Hausärzteverbandes. (Foto: Stiftung DHD)
Dipl.-Med. Ingrid Dänschel sieht Probleme des alten Patien­ten in ihrer Praxis in Lunzenau. Die Ärztin ist Vor­sitzende des Säch­sischen Hausärzte­verbandes

Bei arteriellen Verschlüssen sind Blutgerinnsel (Plaques, Thromben) verantwortlich, sie erhöhen das Risiko für Schlaganfall und Infarkt. „Beinschwellungen und Ödeme sind Hinweise für Thrombosen, die zu Lungenembolie führen können“, sagte Dipl.-Med. Ingrid Dänschel aus Lunzenau. Bettlägerigkeit, Operationen im letzten Quartal und die Behandlung einer bösartigen Tumor­erkrankung in den zurückliegenden sechs Monaten sind Faktoren, die das fördern. Mögliche Symptome können Luftnot, atem­abhängiger Thorax­schmerz, Husten, Todesangst, Tachykardie, Hypotonie (erniedrigter Blutdruck), gestaute Halsvenen oder Schock bis zum Herzstillstand sein. „Die Hochlagerung des Oberkörpers und Bettruhe sind Sofortmaßnahmen. Bei respiratorischer Insuffizienz ist die Sauerstoff-Gabe, gegebenenfalls Intubation und Beatmung notwendig“, ergänzte die Allgemein­medizinerin.

 

Schlecht abheilende Wunden sind ein gängiges Problem bei älteren Patienten. „Nicht alles, was Pflegekräfte zu sehen bekommen, ist ein Ulcus cruris venosum oder infektiös bedingt. Grund kann auch die periphere arterielle Verschluss­krankheit (PAVK) sein“, darauf wies Apotheker Werner Sellmer aus Hamburg hin. In jedem Fall müsse die Ursache der Wund­heilungs­störung geklärt sein, sagte Sellmer. Diagnostik, Kausal- und Lokal­therapie richten sich danach. Die Auswahl der Wundauflagen werde nach Indikation, Status der Wunde (sauber/ unsauber) und Exsudat-Aufnahme getroffen. Wenn kein Fortschritt beim Wundheil­prozess zu erkennen ist, sollten Experten hinzu­gezogen werden.

 

Bei geriatrischen Patienten mit Herz- und Diabetes­erkrankung ist die Kooperation zwischen allen Versorgungs­partnern unerlässlich. Das konnte als Botschaft von der Pflege-Fachtagung in Berlin mitgenommen werden. Auch, dass älter werdende Patienten durch Diabetes, Herz-, Kreislauf- und Gefäß­ereignisse akut gefährdet sind. Die Patienten weisen ein Spektrum von Erkrankungen auf, deren Behandlung komplex ist. Hausärzte, Diabetologen, Geriater, Kardiologen und Neurologen sind involviert. Und Pflege hat dabei einen zentralen Auftrag: Sie ist die Schnittstelle in der Betreuung der Patienten.

Dieser Verantwortung muss sich pflegerische Versorgung im Zuge wachsender Anforderungen stellen. Der alte Patient mit Diabetes samt Komor­biditäts­profil ist eine Heraus­forderung für behandelnde Teams. Die größte Herausforderung wird aber sein, dass die Zusammen­arbeit zwischen den Berufs­gruppen gelingt. Hier sollten sich Ärzte und Pflegekräfte mit Respekt begegnen, sie müssen zum Dialog bereit sein. Gleiches gilt auch für die Kooperation der Ärzte untereinander und zwischen Versorgungs­partnern auf ambulanter und stationärer Ebene. Nur so lässt sich für Patienten das Beste erreichen. Beim geriatrischen Diabetiker steht an erster Stelle „Lebens­qualität erhalten und Kompli­kationen vermeiden“.



Presseunterlagen zum Download:



Pressetext (PDF, 85 kB - Text: Katrin Hertrampf/ Pressestelle Stiftung DHD ©)

 

» Bild 1 (4,5 MB - copyright EGZB/ IIGM):
Veranstaltungsort der IIGM-Fachtagung „Diabetes-Pflege-Management“ am 27. April 2013 war das Evangelische Geriatrie-Zentrum Berlin (EGZB)

 

» Bild 2 (1,1 MB - copyright Stiftung DHD):
Prof. Dr. med. Wolfgang Motz setzt sich für interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Berufsgruppen beim herzkranken Diabetiker ein. Der Kardiologe ist Mitglied im Kuratorium der Stiftung DHD und leitet das Herz- und Diabeteszentrum Mecklenburg-Vorpommern, Karlsburg. 

 

» Bild 3 (0,8 MB - copyright Stiftung DHD):
Dipl.-Med. Ingrid Dänschel sieht Probleme des geriatrischen Patienten täglich in ihrer Praxis in Lunzenau. Die Allgemeinmedizinerin gehört zum Vorstand des Deutschen Hausärzteverbandes und ist Vorsitzende des Sächsischen  Hausärzteverbandes.


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