Stringente Lipideinstellung bleibt weiterhin Ziel



Während europäische Mediziner an Lipidwerten festhalten, haben amerikanische Kollegen die Ziele aufgehoben. Das war ein Thema, das von Gefäß- und Stoffwechselexperten bei der MEDICA diskutiert wurde.


Dr. Anselm K. Gitt: Nur 60 bis 70 Prozent der vaskulär erkrankten Typ-2-Diabetiker erhalten eine angemessene Therapie
Dr. Anselm K. Gitt: Nur 60 bis 70 Prozent der vaskulär erkrankten Typ-2-Diabetiker erhalten eine angemessene Therapie
Prof. Dr. med. Thomas Meinertz: Mit definierten Zielwerten lassen sich individualisierte Therapiekonzepte besser realisieren
Prof. Dr. med. Thomas Meinertz: Mit defi­nierten Zielwerten lassen sich indivi­duali­sier­te Therapie­konzepte besser realisieren
Prof. Dr. med. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe: Die zielorientierte Therapie bei Lipid-, Blutdruck- und Glukoseeinstellung bleibt Bestandteil der Behandlung
Prof. Dr. med. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe: Die zielorientierte Therapie bei Lipid-, Blut­druck- und Glukose­einstellung bleibt Bestandteil der Behandlung

Unstrittig ist, dass die LDL-Cholesterin­sen­kung zur Risikoreduktion beiträgt und zu den wichtigsten Faktoren zählt, um Gefäß­ereignisse zu verhindern. „Bei der für Dia­be­tes charakteris­tischen Dyslipidämie ist problematisch, dass kleine, dichte LDL-Partikel direkt in den Prozess der Läsions­­­ent­stehung an der Gefäß­wand ein­grei­fen“, erklärte Kardiologe Prof. Dr. Nikolaus Marx aus Aachen. Was die Lipidein­stellung betrifft, habe die Auswer­tung von Versorgungs­studien wie Dyslipidemia International Study oder DiaRegis (Diabetes Registry) ergeben, dass zwei Drittel der Patienten trotz Statin­therapie das LDL-Ziel unter 100 mg/dl nicht erreichen, sagte Dr. Anselm K. Gitt aus Ludwigshafen. Nur 60 bis 70 Prozent der vaskulär erkrankten Typ-2-Diabetiker er­hiel­ten eine ange­messene Therapie, unter anderem mit Statinen, kritisierte der Kardiologe.

 

Lipidwerte in Europa

Die im Juni 2013 vorgestellte Leitlinien-Neufassung von ESC (European Society of Cardiology) und EASD (European Association for the Study of Diabetes) beinhaltet Modifika­tionen bei den Zielwerten für die Blutdruck- und Lipidein­stellung. Beim Blutdruck wird für Patienten mit Diabetes ein Ziel von unter 140/85 mmHg favorisiert. Bei der Lipidein­stellung fordern die europäischen Fachgesellschaften für Patienten ohne Risikofaktor ein LDL-Ziel unter 100 mg/dl und bei Hochrisiko­patienten ein LDL-Ziel unter 70 mg/dl. Zur Hochrisiko­gruppe gehören Patienten mit dokumen­tiertem Gefäßereignis, vor­lie­gen­der Hirner­krankung oder weiterem Risiko­faktor. Den „zusätzlichen Risikofaktor“ erfüllt im Regelfall der Diabetiker.

 

Feste Statindosis in Amerika

Lebt der Patient in den USA, kann es sein, dass er unab­hängig von seinem LDL-Wert mit einer festen Standarddosis von Statinen, differenziert in „moderat intensive“ und „hochintensive“ Therapie, behandelt wird. Die ameri­kanischen Fachgesellschaften AHA (American Heart Association) und ACA (American College of Cardiology) haben im November 2013 ihre neuen Guidelines präsentiert, in denen die zielwertorientierte („treat-to-target“) Strategie aufgehoben wurde. Statt therapeutischer Ausrichtung an definierten Lipidzielen wird nun eine Risiko-Strati­fizierung vorge­nommen. Von der "hoch­intensiven" Therapie verspricht man sich eine LDL-Reduktion um mindestens 50 Prozent. Mit der „moderat intensiven“ Therapie soll der LDL-Spiegel um 30 bis 50 Prozent sinken. AHA und ACA argumentieren, dass bislang in keiner randomi­sierten, kontrollier­ten Studie verglichen wurde, welche Auswirkungen die Einstellung der Patienten auf verschiedene Lipidzielwerte hat. Es gebe nur Studien zur Wirkstärke unterschied­licher Statindosierungen und den Hinweis, dass niedrigere LDL-Werte klinisch vorteilhaft sind.

 

Ziele für individuelle Therapie

Der Vorschlag von AHA/ ACA sorgt aktuell für Zündstoff und Spaltung in der medizinischen Fachwelt. „Und dass nicht nur in Europa“, betonte Prof. Dr. Thomas Meinertz. Das Vorgehen sei selbst unter Kardiologen beim AHA-Kongress in Dallas heftig diskutiert worden. Das Prinzip „fire and forget“ (Gib ein Statin und miss es nicht mehr) könne nicht zielführend sein, erklärten Prof. Dr. Thomas Meinertz aus Hamburg und Prof. Dr. Dr. Diethelm Tschöpe aus Bad Oeynhausen. Fest steht, dass für Patienten individualisierte Therapiekonzepte gefordert sind, um das Risiko für Ereignisse zu reduzieren. Mit definierten Zielwerten ließe sich das besser realisieren, für den Arzt und für den Patienten, was Konsens in Deutschland und Europa ist, so Kardiologe Meinertz und Endokrinologe Tschöpe beim MEDICA-Kurs „Diabetes, Herz und Hirn“. Eine stringente Lipideinstellung bleibe deshalb weiter Bestandteil der Behandlung, ebenso die zielorientierte Therapie bei Blutdruck- und Glukosewerten.



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Pressetext (PDF, 85 kB - Text: Katrin Hertrampf/ Pressestelle Stiftung DHD ©)

 

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Prof. Dr. med. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe: Die zielorientierte Therapie bei Lipid-, Blutdruck- und Glukoseeinstellung bleibt Bestandteil der Behandlung


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